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Leinen, Leim und Lust
Verena Steiger in Steinen in der Schweiz macht traditionelle Bergamaskerlarven

von Wulf Wager


Verena Steiger bei der Arbeit Foto: Wulf Wager


Die Enstehung einer Bergamaskerlarve für ein Baijasse-Mäitli Fotos: Wulf Wager

Unscheinbar wirkt das Jugendstilhaus im schweizerischen Steinen im Kanton Schwyz. Nichts weist von außen darauf hin, welche Wunderwelt im Inneren auf den Besucher wartet. Bedeutungsschwanger knirscht der Kies unter den Füßen, bevor sich die schwere Holztür zum Maskenatelier von Verena Steiger öffnet. Seit 80 Jahren werden in diesem Haus die für die Schweiz so typischen Bergamaskerlarven hergestellt. Hunderte, wenn nicht Tausende davon fertigt die Künstlerin alljährlich, obwohl jedes Gipsmodell nur einmal am Tag verwendet werden kann.

Über drei Stockwerke muss sich der Besucher im knirschenden Treppenhaus hinaufbewegen. Begleitet von unzähligen Rohlingen, die Verena Steiger kunstvoll an den Wänden drapiert hat. Es duftet nach Frischgebackenem. Gastfreundlich empfängt sie uns und zeigt ihre Kunst. Wir staunen.


Vergängliche Maskenkunst
Über ein Gipspositiv, das sie mit einem speziellen Spülmittel als Trennschicht bestrichen hat, modelliert Verena Steiger sorgsam vier Schichten feines Leinengewebe. Immer wieder streicht sie Weizenleim über das Gewebe und drückt Unebenheiten aus der entstehenden Larve. Das gelbe oder rosafarbene Gewirk muss sie in Ballen von 1000 Metern vom Hersteller abnehmen. Das reicht auf Jahre hinaus. Die genaue Zusammensetzung des Leimes ist ein Betriebsgeheimnis.


Wachsweiche Larve
Nachdem der Maskenrohling eine Nacht getrocknet hat, wird er vom Positivmodell abgezogen. Augen werden ausgeschnitten und bemalt. Ganz zum Schluss erhält die Bergamaskerlarve einen Überzug. Die Larve wird dazu kurz in flüssiges Wachs getaucht. Das Wachs dient dazu, die Haltbarkeit der Larve zu erhöhen. Denn die Luftfeuchtigkeit, der Schweiß des Trägers und die Luft, die dem Mund entweicht, führen dazu, dass die Larve beim Tragen immer mehr aufweicht. Sie kann nur einen Tag getragen werden, dann ist sie kaputt. 25 Euro verlangt Verena Steiger für eine Maske. Die Nüsslerrotten in Steinen, Schwyz, Unterägeri und anderswo sorgen dafür, dass der Maskenspezialistin das Geschäft nicht ausgeht. Denn am Ende des Fastnachtsdienstags, des Güdelzischtig, werden alle Larven der Nüssler, des Blätz, des alten Herrn, des Dominos, des Baijasse-Buob, des Baijasse-Mäitli (unsere Fotoserie) und der anderen Gwändli dem Feuer übergeben.

Masken begeistern Verena Steiger, seit sie denken kann. Erfinden, Entwerfen, Formen, Kneten, Ausdruck, Mimik, Spielen und Erleben, das sind Elemente, die zum Alltag der Künstlerin gehören. Bergmaskerlarven sind das Brot, von dem die Steinenerin lebt. Doch mit Freude und Lust arbeitet sie auch an Larven aus Pappamaschee oder aus Drahtgitter. Und immer wieder gestaltet sie freie Kunstwerke, basierend auf dem Thema Masken. Die Materialien sind dieselben wie bei den Traditonsmasken: Leinen, Leim und eine unbändige Lust, Gesichter ohne Leben zu kreieren.

www.steiger-masken.ch











Baijass-Mäitli aus Unterägeri , Foto: Ralf Siegele

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