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Maskenschnitzerei
Helmut Kubitschek
Landesinnungsmeister

Die Entwicklung der Fastnachtsmaske verliert sich im Dunkel der Geschichte. Es ist jedoch auffallend, dass mit der Hochblüte der Holzbildhauerkunst im ausgehenden Mittelalter auch die Belege für die Verwendung von Holzmasken im Brauchtum zunehmen. Bekanntestes Beispiel ist der Nürnberger Schembartlauf, der von 1449 bis 1539 belegt ist. Auch bei höfischen Maskenfesten und im kirchlichen Passions- und Mysterienspiel sind dauerhafte Masken aus Holz verwendet worden. Gerade die Spielmasken wurden über einen langen Zeitraum genutzt – wie wir aus Reparaturrechnungen wissen – und immer wieder auch für die Fasnet ausgeliehen. So sehen es die Volkskundler Herbert Schwedt und Martin Blümke in „Masken und Maskenschnitzer“ als gesichert an, dass das Maskenschnitzen in Deutschland eine 500-jährige Tradition hat.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg brachten dann das Maskenwesen vielerorts zum Erliegen. In der darauffolgenden Zeit bildeten sich jedoch unter dem Einfluss der Gegenreformation, besonders in den katholischen Gebieten Vorderösterreichs, die Grundtypen unserer heutigen Narrenfiguren heraus.

Aus dem Jahr 1703 kennen wir eine Maske, signiert vom Säckinger Schreiner Johann Pfeiffer, der auch Kirchenstühle und Altäre fertigte. Er dürfte damit der älteste namentlich bekannte Larvenschnitzer Baden-Württembergs sein. Gerade im Barock gab es strengste Zunftregeln und es ist somit sicher kein Zufall, dass ein Schnitzer sakraler Arbeiten auch Masken herstellen durfte. Aus dieser Zeit stammen die Ältesten der erhaltenen Holzlarven. Sie lassen durchweg erkennen, dass hoch qualifizierte Bildschnitzer auch mit Arbeiten in diesem Bereich beauftragt wurden. Oft gehört ja ein solches Stück noch heute zum Familienschatz städtischer Patrizier, das von Generation zu Generation weitervererbt wird.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm mit der Förderung des Kunstgewerbes durch den Großherzog von Baden die Holzbildhauerei besonders im Schwarzwald einen Aufschwung, und so standen bei der Rückbesinnung auf die alten Brauchtumsformen gut ausgebildete Bildhauer zur Verfügung, als es darum ging, das Maskenwesen wieder zu beleben. Einige waren als Handwerksmeister selber in den Narrenzünften ihrer Städte aktiv. Nicht selten standen sie auch anderen Zünften bei der Neugründung und Entwicklung der Narrengestalt mit Rat und Tat bei. Die Holzmaske wurde so zu einem Charakteristikum der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

Auch heute sind es die im Kerngebiet der Fastnachtslandschaft ansässigen Holzbildhauermeister der Landesinnung, die diese Kunst am Leben erhalten. Als Bildhauer haben sie umfassende Kenntnisse im plastischen Gestalten, in der Herstellung von Modellen in Ton, Gips oder Kunststoffen, bis hin zur Gestaltung von Bronzefiguren. Sie kennen die Grundlagen der menschlichen Anatomie, was auch für die Gestaltung der Maskengesichter und ihrer Physiognomie nicht unerheblich ist. Zusammen mit der Innung kümmern sie sich um die Förderung des Nachwuchses und die Lehrlingsausbildung, treffen sich regelmäßig zu Veranstaltungen wie Ausstellungen und Symposien. Mit der Herausgabe des INFO wird ein bundesweiter Austausch der Berufskollegen ermöglicht. Die Innung schreibt einen Gestaltungspreis aus und fördert somit allgemein das qualitativ hochwertige, kreativ-künstlerische Schaffen der Holzbildhauer im Land. Auch in der Maskenschnitzerei, als eines der traditionellen Tätigkeitsgebiete, soll die persönliche Leistung und Note des einzelnen Schnitzers gefördert und hervorgehoben werden. Es besteht für jeden Maskenschnitzer die Möglichkeit, der Innung als Gastmitglied angeschlossen zu sein.

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