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Zu Jokilis 225. Geburtstag
Ein europäisches NarrenFest mit Gästen aus Venezuela

Dr. Tobias Schneider

Vor stolzen 225 Jahren, anno 1782, trat die zentrale Narrenfigur der Endinger Fasnet, der Jokili, zum ersten Mal auf die Narrenbühne. Dieser erste bekannte Hinweis, aber auch die aus dem neunzehnten Jahrhundert erhaltenen Narrenkleider und -kleiderteile, machen ihn zu der ältesten Narrenfigur zwischen Rhein und Schwarzwald. Wer die Endinger Narren kennt, weiß um deren tief verwurzelter Liebe zu ihrer alten Brauchfigur und zur eigenen Fasnet.
So hat man sich vor einiger Zeit im Kaiserstuhlstädtchen Gedanken gemacht, in welchem Rahmen und in welcher Form man das bedeutende Jubiläum feiern soll. Die Endinger Zunftbrüder haben sich schließlich entschieden, Ende Januar, drei Wochen vor der Fasnet, ein Fest abzuhalten, ein „NarrenFest“, an dem im kleinen internationalen Kreis von circa 20 traditionellen Narrengruppen und -zünften diesem Ereignis vor 225 Jahren gedacht wird.


Urwüchsige Fastnacht im Mittelpunkt
Die Konzeption des NarrenFestes stellt die bodenständig-zünftige Fastnacht in den Mittelpunkt. Urwüchsigkeit und Ursprünglichkeit der traditionellen Fastnachtsfeier sind die zentralen Leitmotive. Die Narren sollen sich treffen, im besten Sinne des Wortes. Kleinräumiges, spontanes Fastnachtsgeschehen soll sich hierbei entwickeln und dabei der Narr im Mittelpunkt stehen. Aus diesem Grund kann und soll die Quantität der Narrenfiguren und -gruppen nicht im Vordergrund stehen. Dies erklärt die bewusst gering gehaltene Zahl an teilnehmenden Gruppierungen. Der überschaubare Rahmen bleibt dadurch gewahrt, auch um das Fest in der heimeligen Endinger Altstadt organisatorisch bewältigen zu können.


Bagolino/I Foto: Ralf Siegele
Völkerverbindendes Kulturgut
Das Endinger NarrenFest will darüber hinaus das (Völker-)Verbindende in der europäischen Fastnachtskultur erlebbar machen. So werden sich zu diesem einzigartigen Anlass Narrenfiguren aus verschiedenen Regionen und Ländern in Endingen begegnen, die, trotz aller Unterschiede in der Ausgestaltung einzelner Brauchformen, ihren gemeinsamen Ursprung im historischen Maskenlaufen haben. Die Endinger Narren und ihre Gäste werden ausgelassen ihr gemeinsames Kulturgut feiern. Ein Kulturgut, das eben nicht an alemannisch-schwäbischen Landesgrenzen Halt macht. Speziell die weit gereisten Narrenfreunde werden in verschiedenen historischen Gebäuden der Stadt anzutreffen sein und ihre Narrenkleider und Fastnachten vorstellen. Bei einem Rundgang durch diese „Narrenstuben“ kann jeder Interessierte somit im persönlichen Kontakt und Gespräch die Vielfältigkeit und die Besonderheiten, aber auch das Selbstverständnis der vertretenen Fastnachtsnarren und ihrer Bräuche kennen lernen.

Es wird gewiss einmalig sein, am Kaiserstuhl prachtvolle alpenländische Fastnachtsfiguren aus Mittenwald, Thaur in Tirol und Bad Aussee erleben zu können. Hinzu gesellen sich die einzigartigen Narrenfiguren aus Bagolino im Norden Italiens. Aus dem belgischen Fosses-la-Ville werden die berühmten Chinels zu Gast sein. Narrengruppen aus Basel, aus der Inner- und Ostschweiz, namentlich aus Steinen, Einsiedeln, Altstätten und der Schweizer March, werden das Endinger NarrenFest bereichern und mit ihrem bodenständigen Fastnachtsbrauchtum begeistern. Natürlich werden aus den einzelnen südwestdeutschen Fastnachtslandschaften befreundete Zünfte am NarrenFest teilnehmen, die zu den Klassikern alemannisch-schwäbischer Fastnacht zählen und die Fülle der hiesigen historischen Fastnachtskultur würdig repräsentieren.


Bad Aussee/A Foto: Ralf Siegele
Gäste aus Venezuela
Und dann – die Jokili aus Übersee: Im Jahr 1842 machte sich eine Gruppe Kaiserstühler Auswanderer auf, um in Venezuela eine Siedlung zu gründen. Sie gaben ihr den Namen Colonia Tovar, die seit jener Zeit Heimat ihrer Nachkommen blieb. Neben der bunten Schar der europäischen Narren darf die Endinger Bevölkerung mit großer Freude auch Gäste aus diesem venezolanischen „Stückchen Kaiserstuhl“ begrüßen. Die Fastnacht wird in Tovar hochgehalten und in deren Mittelpunkt steht – genau wie in Endingen – die Figur des Jokili.

Für die Endinger Narren wird es ohne Zweifel ein erhebendes Gefühl sein, gemeinsam mit den südamerikanischen Jokili zum Klang des alten Endinger Narrenmarsches durch das Städtli zu ziehen. Miteinander den alten Endinger Jokilispruch aufzusagen, der zusammen mit dem Kaiserstühler Dialekt in Tovar über mehr als 160 Jahre erhalten blieb, und gemeinsam in der alten Heimat der Auswanderer Fasnet zu feiern.

Aktuelle Informationen zum Narren­Fest sind auf der Internetseite www.narrenfest2007.de abrufbar. Der Festzug im Rahmen des NarrenFests findet am 28. Januar 2007, um 13.30 Uhr statt. Bereits im Vorfeld des Umzugs, ab 11 Uhr, sind die Straßen und Plätze der Stadt mit buntem Narrentreiben erfüllt.


Thaur/A Foto: Wolfgang Koch
Wilflingen/D Foto: Peter Haller
Altstätten/CH Foto:Ralf Siegele

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