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Die närrische Zeitreise geht weiter
Historische Fasnetsbilder im Doppelpack

von Peter Haller

Einen besonderen Leckerbissen bescherte uns Wulf Wager zur Weihnachtszeit gerade vor zwei Jahren mit seinem Buch „Schwäbisch-alemannische Fasnet in alten Bildern“. Schon bei der damaligen Recherche förderte Wager weit mehr wertvolles altes Bildmaterial zutage, als dieser eine Band aufnehmen konnte, und auch seitdem war der Autor in dieser Richtung nicht untätig. Es war daher nahe liegend, die angesammelten, bislang größtenteils unveröffentlichten Schätze nicht in irgendwelchen Schubladen oder Archiven verschwinden zu lassen, sondern mit den „Glanzstücken“ einen weiteren Bildband zu gestalten, der nun unter dem Titel „Schwäbisch-alemannische Fasnet in alten Bildern – Neue Funde“ erschienen ist.


Rottweil-Neufra o. J. Die alten Neufraer Narrenkleider zeigen eine nahe Verwandtschaft zu den Rottweiler Kleidern auf, haben aber eine eindeutige, eigene Charakteristik. Auf den Häsern sind entweder Wollfransen wie bei den Fransenkleidle Rottweils oder Schömbergs oder auch die geschwungenen Stoffapplikationen in Form des so genannten „Sausoach“ aufgebracht.

Radolfzell 1860 Der Narrenrat der Narrengesellschaft „Narrizella Ratoldi“. Besonders auffällig ist die mit einer Villinger Narroscheme verlarvte Narrenmutter. Dieses Bild ist gleichzeitig eine der frühesten Fotografien einer Villinger Scheme.



Als „Präludium“ dient dieses Mal eine Abhandlung zu „Musik und Tanz in der Fasnet“, ergänzt durch eine ganze Reihe historischer Aufnahmen zum Thema. Der nachfolgende reich bebilderte und mit Texterläuterungen versehene Hauptteil ist wiederum sehr übersichtlich nach den allseits bekannten Kutterschen Fasnachtslandschaften gegliedert, die auch der VSAN ihre organisatorische Struktur geben. Zum Auf­takt entführen uns Bilder aus den Weißnarrenhochburgen der Baar wie Donaueschingen, Hüfingen, Villingen usw. in eine andere Zeit, als anscheinend noch „Klasse vor Masse“ galt, Vielfalt vor Uniformität kam und den Narren der Zwang zur Überästhetisierung noch fremd war. Von den Fleckle- und Blätzlenarren der Region Bodensee-Linzgau spannt sich dann der närrische Bilderbogen weiter über Donau und Hegau bis hin zum Schwarzwald. Einen besonderen Schwerpunkt setzt hierbei die Landschaft Neckar-Alb mit einer Vielzahl großartiger und eindrücklicher Aufnahmen aus einer verflossenen Zeit, zu der die Fasnet die Menschen offenbar auf ganz eigene Art und Weise in ihren Bann zu ziehen und zu begeistern wusste und die Fasnet auch architektonisch gesehen noch vielerorts den passenden Rahmen vorfand, was heute leider nicht mehr immer und überall der Fall ist. Insbesondere die früher auch auf den Dörfern festzustellende Originalität und Qualität der abgebildeten Narrenfiguren fällt dabei ins Auge, wenngleich die Anlehnung an Figuren der benachbarten Städte oft nicht zu übersehen ist, sodass der Verlust der einen oder anderen Figur durchaus bedauert werden darf und man sich eine Wiederbelebung wünschen würde.


Endingen am Kaiserstuhl 1948 Jokili beim Umzug in der Endinger Oberstadt

Elzach 1925 Die Zwanzigjährigen bilden mit dem Nachtwächterpaar und einigen Schuddig die Gruppe der Taganrufer am Morgen des Fastnachtsmontag. Die Missgeschicke des vergangenen Jahres glossierend ziehen sie von Brunnen zu Brunnen, um dort die Narrenstückle vorzutragen.

Rottweil 1912 Narrensprung durchs Schwarze Tor. Wenige Jahre zuvor drohte die historische Fasnet zu verschwinden. Nur noch neun Narren und ein Bierfuhrwerk beteiligten sich am Narrensprung des Jahres 1903. Das war der Anlass zur Gründung der Narrenzunft Rottweil.

Binsdorf 1935 An bestimmten Tagen, wie am Schmotzigen Donnerstag, kann man noch heute die alten Butzen auf den
Straßen sehen.

Riedlingen 1928 Der erste „Riese“, der 1818 zum ersten Mal bei der Riedlinger Fasnet zu sehen war, ist die heutige „Gelbsucht“ (links). 1870 entstand der Maskenkopf des „Alten Gole“, der früher manchmal auch „Lumpengole“ genannt wurde (rechts). 1890 folgte dann der „Neue Gole“ (Mitte).


Dieses neue Fasnetsbuch aus dem Tübinger Silberburg-Verlag ist also eine gelungene, kostbare Ergänzung des ersten Bandes von Wulf Wager, das alle Fasnetsinteressierten wieder zum Schmökern, Staunen und Verschenken einlädt.

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