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Narrenpredigt – der Narrenspiegel
beim ökumenischen Fasnetsgottesdienst in Bad Cannstatt
am 14. Februar 2010

Diakon Winfried Döneke
Seelsorgeeinheit Neckarknie


Kommentar des evangelischen Kollegen unter großem Gelächter, während sich der katholische Kollege zur Kanzel hinaufquält:

Des sen die Katholika gar net gwöhnt
der Diakon die Trepp nauf stöhnt,
Und endlich oben angekommen,
da isch er prompt ziemlich benommen.

Döneke:
Spieglein, Spieglein in der Hand,
wer isch dr greschte Narr em Land?

6 Wocha isch´s jetzt her,
die Teamfindung war gar net schwer
Zu viert sen mer zusammagsessa
Ond oiner hot ons d`levita glesa.

War doch mei Tochter vor Jahren a Faschingsprinzess
Han i doch denkt ghet, die Fasnet wär mei Profess,
nix do, koi Ahnung han i ghet
ein Glück, dass es die Kübler git.

Sie hen ons uffklärt ganz geduldig
Mir hen zughert ganz oschuldig.

Sie hen verzählt von Christen und Narren,
wo jeder hot sein oigana Sparra,

und dass Christa ond Narra au viel verbindet
des war mir allerdings scho lange klar,
ben i doch bei der Kirch dabei scho 29 Johr

Mir hen an Ostra onsre 3 heilige Täg
Ihr hen en der Fasnet viel meh, ganze 7 heilige Täg.

Ihr hen eur Häs – mir hen onser Häs.

Ons älle liegt der Aschermittwoch schwer em Mage
Ond mir tend älle dann Bußgwänder trage

So weit zur Gemeinsamkeit
Aber mir im Team waret no lang net so weit.

So ging die Teambesprechung grad weiter
Die reinste Bildungseinheit, aber heiter.

Die Narrafigura send wohl immer dieselben,
Mondlöscher, Monde, Bronnagoischt und Felben.

Ond – Respekt - Verastaltunga hend er, dass es kracht
Von Dreikönig bis Fasnetsdienstagsmitternacht

Und so ging es in der Vorbesprechung weiter und weiter
Mein Kopf begann zu brummen,
die Einzelheiten wurden ganz verschwummen.

Und in der folgenden Nacht, da hatt ich einen Traum,
ungelogen, des isch zom Lacha
aus dem kann I mir gar koin Reim macha.

I komm im Traum zum Küblerhaus,
frag nach em Fleischkäs zum mitnehma zu Eurem Graus
do hoißt´s natürlich ganz empört:
mir sen doch koi McDonalds, ganz verkehrt.

Ond I zieh hungrig wieder ab
sitz en d´´falsche Stadtboh nei
nach Hedelfingen goht´s - jo mei.
I steig aus ond fahr wieder zurück
in einer historischa Stroßaboh, isch des net verrückt?

Was wollt mir dieser Traum saga?
i kann´s Eich net verata.

Und so steh ich da, ich armer Tor
und bin so klug als wie zuvor.

Scho morgens schau i en da Spiegel
Und seh bloß rätselhaft Umriss
S´Gsicht verschrumpelt, die Haar wie an Igel
Wer isch au des, sell isch net gwiss.

Spieglein, Spieglein in der Hand,
wer isch dr greschte Narr em Land?

Der oi Politiker muss jetzt Englisch büffla,
so hoißt´s en dr Gerichtekücha

der andre legt da Bahnhof tiefer,
de Bürger goht dabei na dr Unterkiefer
Womöglich macht no´s Grondwasser schlapp,
weil mr ons gräbt ´d Mineralquellen ab

Ond des wois au jeder Schlumpf,
S ´Cannstatter Rathaus versinkt im Sumpf

Ja die Auswahl an Narren isch groß, die Entscheidung isch schwer,
do muss halt wieder mei Spiegel her.
Spieglein, Spieglein in der Hand,
wer isch dr greschte Narr em Land?

Mir hen des Bild von grad no guat vor Auga –

Nenn ihn Harlekin, Narr oder Clown
Ich kann so vieles darin schaun.
War i grad no frehlich, bin i plötzlich ziemlich down.

Grad han ich no mit Seniora gschunkelt,
glei drauf a Trauergespräch - mein Gemüt verdunkelt.

Grad stand ich noch aufm Friedhof, unter einem Himmel, dem graun
Dann lauf I bei dr nächsta Seniorenfasnet ei, als lustiger Clown.

Des Leba isch halt a Achterbah
Und i komm net emmer fröhlich a.

Do braucht es achtsame und lieba Menscha,
die für oin do sind ond füeinander kämpfa.

Ond so seid Ihr in dieser so kalten Zeit
A Gmeinschaft voller Lebensluscht und Frehlichkeit.
Ihr brengat kräftige Farba in diese oft so graue Welt
Seid Ihr die Frohbotschaft, die uns Kirche oft fehlt?

Spieglein, Spieglein in der Hand,
wer isch dr greschte Narr em Land?

Kirche und Narra, des isch oft oin Mus
Schon en der Bibel stoßt mr ganz oft druff
Über 200x mal spricht mer do vom Narr oder Tor
I hab do viel Gsellschaft, so komm´t s mer vor.

Und so halt i au der Kirch den Spiegel vor,
ond verweis auf da Römerbrief wo´s hoißt:
„sie behaupteten , weise zu sein und wurden zu Toren.“


Aber bei uns, do send jo älle soo gscheit,
aber koiner woiß wirklich, wie´s weitergeit.

Ihr habt´s gut:
Über 360 Aktive und 120 Passive em Verei
Bei ons Katholika sen 100 Aktive und 1800 Passive dabei

Wellat mir die Kirche mol richtig fülla,

do müssat mir scho an neua Dekan investieren
oder zum Fasnetssonnatg jubilieren

sonst sen die Kirchen oft gähnend leer
ond gähna den se au, wenn die Predigt schwer.

Aber was soll´s?

Unser Herr Jesus hat jo au bloß mit Zwölfe begonna

ond glei wiederden den Oina, den Judas, verlora
ond s´isch doch was ganz Großes draus gwoora.

So hend au Ihr Kübler vor 76 Johr sicher zeimlich kloi agfanga
ond send heit a stattlich großer Kübelesmarkt, so richtig gstanda

So mach I jetzt der langa Red nun endlich ein End,
ond doch noch oi große Gemeinsamkeit I fend,
die gleichen Werte prägat onsre Gmeinden und Euch Kübler
der Zusammenhalt in Liebe ond Freid, für eine Welt, die wird immer übler.

Jetzt han I armer Tor am Schluss doch noch was erkannt,
und durch den Blick in den Spiegel die Unvollkommenheit verbannt

Denn net nur am Dag der Liebenden, dem Valentinstag,
oins gibt es, des uns alle vereint –
Die Liebe isch damit gemeint.

Ond so ruaf I aus,

ond bleib damit hoffentlich net alloi

Narri - Narro -Ahoi
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