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Hans-Georg Benz, Owingen (bei Überlingen/Bodensee) 

Hans-Georg BenzSchon in frühen Jahren kam der Holzbildhauer und Schnitzer Hans-Georg Benz mit seinem heutigen Beruf in Berührung, denn sein Vater, Norbert Benz, wollte gerne werden, was er geworden ist. Die Eltern von Norbert Benz wollten ihrem einzigen Sohn den "Hungerleiderberuf" jedoch ersparen, also wurde er Obstbaumeister und machte die Schnitzerei zu seinem Hobby. Sohn Hans-Georg schnitzte mit 12 Jahren seine erste Larve. Mit weniger Vergügen mußte er zudem die glatten Larven des Vaters schleifen.

Nach einer Schreinerlehre und einem Besuch beim Arbeitsamt, "nach dem ich genauso schlau war wie vorher", beschloß er, sich um einen Platz an der "Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer" in Oberammergau zu bewerben. Durch ein Mißgeschick scheiterte die erste Bewerbung jedoch daran, daß die für die Aufnahme vorzulegenden Zeichnungen ohne Rückporto abgesandt wurden, weshalb sie zunächst nicht angenommen wurden und schließlich zu spät eintrafen. Ein Jahr später nahm er dann jedoch alle Hürden und hätte neben Oberammergau auch im österreichischen Elbigenalp (Lechtal) seine Holzbildhauerausbildung beginnen können. Er entschied sich für Oberammergau, wo er in seiner 3-jährigen Ausbildungszeit in alle Facetten dieses Kunsthandwerks eingewiesen wurde.

Seit 1990 arbeitet Hans-Georg Benz als freischaffender Künstler in seiner Bildhauerwerkstatt in Owingen. Fasnachtslarven machen einen Gutteil seiner Arbeit aus, ca. 100 Stück schnitzt er pro Jahr davon, doch sie sind längst nicht alles. Ebenso schnitzt er sakrale und weltliche Figuren, Weihnachtskrippen, übernimmt Restaurierungen von alten Kunstwerken, entwirft und baut kunstvoll verzierte Möbel und Haustüren, und auch bei der Renovierung der Orgel in der weltbekannten, über dem Bodensee gelegenen Klosterkirche Birnau hat er mit den Registerknöpfen und -zügen einen bedeutenden Beitrag geleistet.

Doch zurück zur Fasnacht, zum Entstehungsgang einer Larve. Zunächst entwirft Hans-Georg Benz immer ein Tonmodell nach den Vorstellungen der beauftragenden Zunft. Er setzt also die einer Fasnachtfigur zugrunde liegende Idee künstlerisch um. "Manchmal modelliert man tagelang, und es kommt nix dabei heraus, und manchmal da klappt's auf Anhieb". Ist der Auftraggeber mit dem Entwurf zufrieden, so werden die Maße des Modells mittels eines Punktiergeräts auf einen Holzblock übertragen, der aus zwei zusammengeleimten Schichten und einem aufgesetzten Nasenstück besteht. Dadurch soll die Rißbildung vermieden werden. Verwendung findet, wegen der guten Bearbeitbarkeit, ausschließlich das Holz der Linde und der Weymouth-Kiefer. Und dann beginnt die eigentliche Schnitzarbeit. Schicht um Schicht arbeitet er sich voran, vom Groben zum Feinen. Die Konturen werden immer detaillierter, Gesichtszüge, Nasenflügel, Runzeln, Lippen, Warzen, Augenbrauen und Augenhöhlen entstehen nach und nach unter dem Einsatz zahlreicher, unterschiedlich geformter Schnitzmesser. Danach wird die rohe Maske geschliffen und vollständig mit Leinölfirniß eingeölt, bevor die sogenannte "Fassung", die Farbgebung beginnt. Auch dies wird von Hans-Georg Benz selbst in Acrylfarbe ausgeführt. 16 bis 18 Stunden arbeitet er an einer Larve. Obwohl man seine Larven zu den "Schreckmasken" (im Gegensatz zu den sogenannten "Glattlarven") zählen würde, haben sie vorwiegend freundliche Züge. Er hat's nicht so mit den Schrecklichen, meint er, und das Künstlerische soll durchschlagen in seiner Arbeit.

Im Moment geht der Trend dahin, daß man wieder mehr Holz zeigen will, das heißt, die Farbe wird oft nur dünn aufgetragen, um die Holzstruktur und -maserung nicht vollständig zu überdecken. Man will zeigen, daß die Larve wirklich aus Holz ist und nicht aus Kunststoff, so die Begründung. Dafür eignet sich besonders Lindenholz, das keine so starken Farbunterschiede aufweist wie die Weymouth-Kiefer. Die ist dafür wesentlich leichter. Etwa 400 g wiegt eine Larve aus diesem Holz.

Wäre natürlich noch interessant zu wissen, was so ein fasnächtliches Kunstwerk kostet: Zu haben sind seine Larven ab 200 Euro aufwärts.

Und wer sind sind die närrischen Auftraggeber?

Beispielsweise die Narrenzünfte aus Friedrichshafen-Berg, Wald-Sentenhart, Stockach-Hindelwangen, Wilhelmsdorf-Esenhausen, Salem-Beuren, Salem-Buggensegel, Sauldorf, Unteruhldingen,  Frickingen, Zoznegg, die Störche Tüfingen, die Überlinger Löwen ... 

"Narren-Spiegel", 2/2000
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