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Guggenmusik

Seinen Ursprung hat der Name "Guggenmusik" vermutlich in der Baseler Gegend, wo die ältesten Aufzeichnungen, die eine Guggenmusik erwähnen, gefunden wurden. Vorher war diese Form der Lärmmusik landläufig als "Katzenmusik "oder "Charivari" bekannt, aber jede Gegend hatte wahrscheinlich ihren eigenen Namen. In Basel und im benachbarten Südbaden versteht man unter "Gugge" eine Papiertüte. Sie hatte früher meist eine konische Form, erinnerte daher an ein Blashorn und diente in allen Größen vor allem im Einzelhandelsbereich u.a. zur Verpackung von Zucker, Salz, Mehl, Grieß und anderen Lebensmitteln. In eine "Gugge" wurden vor allem auch Süßwaren (alem. Gutsele) abgepackt, was man heute noch auf den Jahrmärkten (beim Kauf von Magenbrot und gebrannten Mandeln etc.) sehen kann. Nicht zuletzt deshalb waren "Guggen" regelmäßig auch in Kinderhand und fanden (entleert) an Fasnacht eine sehr praktische Verwendung. Mangels geeigneter Instrumente bastelten sie sich hierzu allerlei Musik-Ersatzgeräte. So wurde nicht nur auf Töpfen getrommelt, Pfannendeckel als Tschinellen benutzt und auf Haarkämmen (Strähl) geblasen, über die man als Membranen jeweils ein Stück Butterbrotpapier stülpte.Ganz besonders gerne wurden darüber hinaus die beschriebenen stabilen, trichterförmigen Guggen als Art Trompetenersatz herangezogen. Das geschah in der Weise, dass man das untere, spitze Ende der Guggen abschnitt - und in das so entstandene Loch eine Tute/bzw. "Pööpe" steckte. Das waren zigaretten-zigarrendicke Papierröhren mit einer innenliegenden Blechlamelle, die beim Hineinblasen tutete und die damals an Fasnacht in jedem Kaufladen für ein paar Pfennige zu kaufen waren.

Diese Tute bzw. Pööpe wurde alsdann im Guggen-Loch mit der Gugge verleimt und so entstand ein Musikinstrument, das Dank der Gugge als Schalltrichter ganz gehörigen Lärm machte. Die auf diese Weise einfach zu fertigen und aber sehr lärmwirksamen Guggen-Instrumente waren unter den Kindern bald sehr beliebt, fanden schnell Verbreitung und fügten den Bezeichnungen "Tschättermusig" und "Katzenmusig" als Folge die neue Bezeichnungsvariante "Guggen-Musig" hinzu.

Doch die Entwicklung ging auch hier weiter, sicher nicht zuletzt auch deshalb, weil die Fasnacht ständig an Lautstärke zunahm. Also ersetzten in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg Jugendliche in den Schweizer Kantonen Basel, Aargau und Zürich die bisherigen kindlichen  Behelfsmusikinstrumente durch alte, ausgediente Blechinstrumente, die dann eine ganz be-sondere fasnächtliche Würdigung fanden, wenn sie - von einer Messingpatina überzogen - so richtig ungepflegt und verbeult aussahen.

So entstanden alsbald richtige Kapellen, die sich dann nicht mehr als "Tschättermusig" oder "Katzenmusig" bezeichneten, sondern sich "Guggenmusig" nannten - und die sich in den folgenden Jahren in Windeseile über den alemannischen Sprach- und Fasnachtsbereich hinweg regelrecht globalisierten.

Die vorstehenden Erläuterungen stammen größtenteils von Herrn Hubert Roth aus Klettgau, der sie freundlicherweise dem "Narren-Spiegel" zur Verfügung stellte.
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