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Von Ordens- und Gefühlsnarren
Die Fasnacht als Abbild des "richtigen Lebens"
Peter Haller

Narr ist nicht gleich Narr, keineswegs. Bekannt ist gemeinhin die Einteilung in Blätzlenarren, Weißnarren, Hexen etc. Doch soll es hier um eine andere Art von Kategorisierung gehen, die sich an den Beweggründen für das alljährliche "Narretsein" orientiert. Warum schlüpft ein ganz "normaler" Mensch zur fünften Jahreszeit in ein Häs oder Kleidle, zieht eine Maske auf und benimmt sich manchmal, als ob er nicht ganz bei Sinnen sei?

Nun, da gibt es zunächst einmal den Narren, der an Fasnacht wie auch bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit die Sau rauslassen will. Den wollen wir mal "Sau-raus-Narr" nennen. Der findet gerade während der Fasnacht ein reiches Betätigungsfeld.

Dann gibt es da den "Geselligkeitsnarren", der beispielweise in einer Narrenzunft Anschluß an Gleichgesinnte sucht und meist auch findet. Die Zunft bietet oft nicht nur an Fasnacht sondern auch ganzjährig mit allerlei Aktivitäten Unterschlupf, wenn es einen nach Geselligkeit sehnt. Genießt man in diesem Kreise besonderes Ansehen, so ist nicht auszuschließen, daß man über kurz oder lang mit einem vertrauensvollen Posten bedacht wird. Ehrenamtlich Tätige sind immer gesucht.

Die dritte Kategorie Narr geht folglich meist aus der letztgenannten Kategorie hervor, denn normalerweise muß man sich erst seine Lorbeeren verdienen, bis man mit den höheren Weihen eines Fasnachtfunktionärs ausgestattet wird. Dieser Narrentyp ist meist durch eine ordensbehängte Brust, eine mehr oder weniger närrische Kopfbedeckung und das unverlarvte Gesicht zu erkennen. Daher wird er manchmal auch als "Ordensnarr" bezeichnet.

Für manchen Narren erübrigt sich die Frage nach dem Motiv, da er als "Gewohnheitsnarr" an der Fasnacht gewohnheitsmäßig närrisch ist. Der Termin Fasnacht ist Motiv genug. "Des isch halt so, weil des scho immer so war." Gedanken darüber, warum das so ist, hat er sich noch nie gemacht. Warum auch? Das überläßt er den Herren Mezger & Co. Sollen die sich doch ihre studierten Köpfe darüber zerbrechen!

Zu guter Letzt gibt es da noch den Narren, der nicht wie die oben genannten aus einem besonderen Motiv heraus jedes Jahr aufs Neue der "Narrheit" verfällt, sondern der einfach Narr ist, weil er gar nicht anders kann. Weil er es im Blut hat, weil es ihm kalt den Rücken runterläuft, wenn er zum ersten Mal nach langer Zeit wieder den Narrenmarsch hört, weil er beim Anblick einer schön geschnitzten Larve ins Schwärmen gerät und weil er selbst als Zuschauer beim Narrensprung am Straßenrand vor lauter Rührung "am liabschde blärre dät". Ein "Gefühlsnarr" also.

Daneben gibt es natürlich noch allerlei Mischformen wie den saurauslassenden Geselligkeitsnarren, den Orden heischenden Gefühlsnarren, den Geselligkeit suchenden Ordensnarren, den gefühlsbetonten Gewohnheitsnarren ... Wie im richtigen Leben, möchte man meinen. Es menschelt eben auch während der Fasnacht.

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