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Fasnet im Internet
Peter Haller

Fasnet im Internet boomt, ohne Zweifel. Ja, die Fasnet boomt natürlich überhaupt, neu gegründete Zünfte gibt es fast wie Sand am Meer. Was im Internet aber dabei auffällt, ist die Tatsache, dass gerade die jungen und ganz jungen Zünfte den traditionellen bisher nicht selten eines voraus hatten: die eigene Homepage. Die eigene Homepage gehört zum Selbstverständnis fast jeder neuen Zunft, dient als Plattform zur Selbstdarstellung, während man viele der alten Zünfte bis vor kurzem vergeblich im WorldWideWeb suchte, welche nun jedoch seit Herbst 2000 auch immer stärker im Web vertreten sind. War dies Zufall oder bewußte Zurückhaltung auf Seiten der älteren Zünfte gegenüber einem Medium, das unsere Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung in atemberaubendem Tempo revolutioniert? Oft ist es sicher Zufall, ob man nun gerade jemand in den eigenen Reihen hat, der mit dem Medium Internet vertraut ist und sich zutraut, der eigenen Zunft eine Homepage zu verpassen, wobei es natürlich durchaus eine Diskrepanz geben kann zwischen dem, was sich einer zutraut, und dem, was man sich zutrauen oder, sollte man besser sagen, den anderen zumuten sollte. Es gibt sicherlich gerade bei jungen Zünften ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich unter all den bekannten Traditionszünften und weniger bekannten Neugründungen öffentlich zu präsentieren. Das Medium Fernsehen hat sich bisher ja meist eher der "älteren" Zünfte angenommen, während das Internet jedem offen steht. Dabei spielt sicher auch das Alter der jeweiligen Zunftführungen eine Rolle. Junge Zünfte haben meist junge Vorstände, und die Jungen zwischen 20 und 30 Jahren machen rein statistisch gesehen den Löwenanteil unter den Internet-Nutzern aus.

Wie ist es aber um die Qualität dieser Fasnets-Websites bestellt? Nun ja, mal so, mal so, aber über Geschmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten. Doch kann man sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass das Motto "Gut Ding will Weile haben" auch bei diesen Homepages zutrifft. Grell-blinkende "Schnellschüsse" mit zahlreichen Baustellen, verschwommenen Bildern, schlecht redigierten Texten voll orthographischer Fehler und dem Narrenfahrplan vom Vorjahr laden den Besucher nicht gerade zum Verweilen und zum Wiederkommen ein. Wie dem auch sei: die Fasnet steht im Internet nicht isoliert da, gute und weniger gute Homepages gibt es in allen Bereichen und Sparten, und was nicht gut ist, kann ja schließlich noch gut werden, Geduld ist also angesagt. Abgesehen davon ist die Fasnet sowieso ein Saisongeschäft, also warten wir im Einzelfall schlimmstenfalls bis zur nächsten Fasnet, vielleicht hat sich dann ja was getan. Nach Aschermittwoch nimmt das Interesse an Fasnets-Homepages sowieso rapide ab, was ja verständlich ist, auch wenn es trotzig heißt: 'S goht dagega! Erst ab September rührt sich dann allmählich wieder was im närrischen Netz, zunehmend, wenn es Richtung 11.11. geht. Dann kommt allerdings noch die Weihnachtsflaute im Dezember. Nicht jeder hat jetzt neben Weihnachtseinkäufen und –feiern noch Sinn für die fünfte Jahreszeit. Aber dann, Anfang Januar, spätestens ab dem 6., bekommt die Fasnet auch im Internet wieder Oberwasser, man ist ja jetzt schließlich in der eigentlichen Fasnetszeit angelangt. Aber o weh, die Adressen! Was man letztes Jahr noch als Adresse, die sich kein Mensch merken konnte, dafür aber mit Pop-up-Fenster, unter seinen "Favoriten" gespeichert hat, läuft nun plötzlich per Mausklick ins Leere. Der Schritt zur eigenen de-Domain wurde wohl doch gewagt, was für jede Webpräsenz einer Zunft eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Also heißt es probieren oder in Suchmaschinen und Webkatalogen suchen, doch was diese bei der Suche nach "Fasnacht" manchmal ausspucken, ist geradezu haarsträubend: da scheint es außer der "Basler Fasnacht" und irgendwelchen Karnevalsseiten fast nichts zu geben, zumindest nichts über die schwäbisch-alemannische Fasnacht, statt dessen findet man Links zu den Homepages der "Laufsportvereine" oder der "Architektur-Firmen im Schwarzwald-Baar-Kreis". Wie? Was haben denn die mit unserer Fasnet zu tun, werden Sie fragen, und das mit Recht. Doch der unermüdliche Sucher wird letzlich doch fündig und landet irgendwann auf den sehnlichst gesuchten Fasnetsseiten wie zum Beispiel dem "Narrenspiegel"! Als weitere Einstiegsseiten bieten sich insbesondere die Websites der verschiedenen Narrenvereinigungen sowie Jürgen Schliens "Fasnet-Forum" an.

Aber das Internet dient nicht nur der Präsentation und Informationsbeschaffung, sondern auch der Kommunikation, das Web verbindet, ermöglicht neue Kontakte, die früher so nicht denkbar gewesen wären. Per eMail kommuniziert es sich herrlich einfach. Doch so schnell manche Kontakte entstanden sind, so schnell sind sie auch wieder eingeschlafen. Man kennt das ja: die Mailbox quillt über und so mancher verliert darüber den Überblick, wem oder wem er noch nicht geantwortet hat. Man ist eben einfach gestresst heutzutage, in jeder Hinsicht, oder meint zumindest, es sein zu müssen. Das Multimedia-Zeitalter fordert seine Opfer! Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass von 3 Fragen in einer Mail oft nur eine beantwortet wird, wenn überhaupt. Merke: fasse dich kurz (es lebe der "Quickie"!), je kürzer, desto besser sind deine Chancen, eine Antwort zu bekommen, lieber 3 Mails mit jeweils 1 Frage im Abstand von 1 Woche verschicken, als 1 Mail mit 3 Fragen, so ist das eben im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten, dem seine Nutzer nur begrenzt gewachsen zu sein scheinen. Nicht immer, aber immer öfter.

Wie dem auch sei: das Internet ist aus der Fasnetslandschaft nicht mehr weg zu denken und wird sicherlich künftig noch weiter an Bedeutung gewinnen, zur Präsentation, zur Dokumentation, zur Kommunikation. Mit der Fasnet wird es jedoch hoffentlich nie soweit kommen, dass sie irgendwann nur noch im Fernsehen und im Cyberspace stattfindet. Fasnet im Internet ist eine herrliche Sache und immer und überall, wo es einen Internetzugang gibt, verfügbar, herrlich aber vor allem, weil unsere närrische Vorfreude und Nostalgie eine neue, virtuelle Anlaufstelle gefunden haben. Ist die Zeit jedoch gekommen, so heißt es: Computer abschalten, hinein ins Häs und raus auf die Straße, dorthin, wo die reale Fasnet auch künftig ihren Platz haben sollte!

P.S.: Anfragen an den "Narrenspiegel" werden normalerweise vollständig und innerhalb angemessener Zeit beantwortet! Es sei denn, wie es leider auch schon vorkam, die Mails kommen gar nicht hier an. Der Teufel steckt eben doch manchmal im technischen Detail und hat nicht in nur in der Fasnet seine Hände im Spiel.
(1/2001)

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