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Der charmante alte Harzer lächelt wie die Mona Lisa

von Daniel Seeburger

Eine der ältesten und schönsten Figuren der Schömberger Fasnet
Was haben Mona Lisa im Pariser Louvre und die alte Schömberger Harzerlarve gemeinsam? Ein unbeschreibliches, geheimnisvolles und fast pfiffiges Lächeln umspielt sowohl den Mund der von Leonardo da Vinci gemalten Gattin von Francesco del Gioconda, als auch das Gesicht der historischen Schömberger Fasnetslarve.

Als 1948 der alte Harzer für den Einsatz bei den Narrensprüngen und den Polonäsen kopiert wurde, habe der Larvenschitzer Harzer Probleme mit dem Gesichtsausdruck des jüngeren Harzerbruders gehabt, erzählt Hermann Bertsch (70), Besitzer des historischen Narren. Trotz größter Anstrengungen ist es dem Holzbildhauer nicht gelungen, das umwerfende Lächeln nachzuahmen.

Heutzutage ist nur noch die Harzerkopie bei der Schömberger Straßenfasnet zu sehen. Letztmals sei er vor sieben Jahren mit dem alten Harzer bei einer Polonäse gewesen, sagt Bertsch, "jetzt ist das alte Leinenhäs einfach zu brüchig". Auch der Larve sieht man ihr Alter an. Das Holz ist spröde, am Kinn wurde die Maske früher einmal mit einem angenagelten Blecheinsatz stabilisiert. Außerdem ist die Farbe rissig und droht abzublättern.

Der alte Harzer ist der Urgroßvater der Schömberger Fasnet. Über den Ursprung des freundlichen Herrn mit Spitz- und Schnurrbart, der mit seinem großen Besen den anderen Narren bei der Polonäse den Weg freiwischt und dabei auch manchmal die Schuhe der Zuschauer erwischt, ist nicht viel bekannt. Das Harzer- Häs sei 1812 hinter dem Kamin im sogenannten "Zeinerhaus" bei der Kirche gefunden worden, berichtet die mündliche Überlieferung. Dieses Haus hat als eines von vier Gebäuden den großen Stadtbrand von 1750 überlebt. 1930 fiel es selbst einem Brand zum Opfer. Andere Quellen erzählen, daß 1808 das Häs erneuert worden sei. Damit würde die Jahreszahl 1812, die auf dem Harzer aufgemalt ist, lediglich auf das Datum der Sanierung der Narrengestalt hinweisen.

Das Alter des Harzers kann genauso wenig ermittelt werden, wie die des "Blätzle". Dieses Häs, das sich ebenfalls im Besitz von Hermann Bertsch befindet, taucht aber immer wieder zusammen mit dem Harzer in der Schömberger Fasnetsgeschichte auf. Das Gewand dieser historischen Narrenfigur besteht aus grobem Leinen, auf das kleine Stoffetzen aufgenäht sind. Anstatt eines Bollenhutes, der die Schömberger Fransennarren schmückt, wurden beim Blätzle farbige Papierblumen auf den Hut gesetzt. Auch von dieser Einzelfigur wurde mittlerweile ein Kopie für die Schömberger Fasnet angefertigt.

Der alte, besenschwingende Harzer und das freundlich-lächelnde, dickbackige Blätzle verschwanden Mitte der 20er Jahre für kurze Zeit aus der Schömberger Fasnet. Damals zog ihr Besitzer Eugen Vogel nach Blieskastel an die Saar. Dort versuchte der Ex-Schömberger, eine Fasnet mit Harzer und Blätzle zu etablieren, stieß aber auf wenig Resonanz. Er verkaufte daraufhin die historischen Narrenfiguren an Eugen Bertsch, den Vater von Hermann Bertsch, der sie zurück nach Schömberg brachte.

Seinen Namen hat der verschmitzt dreinschauende Harzer mit seinem viereckigem Hütchen, seinem Leinenhäs, das mit beinahe naiv anmutenden Gestalten, Tieren, Ranken und Blumen bemalt ist, und seiner einzelnen Glocke, wohl von einer Familie Hartz, die schon 1381 für Schömberg nachgewiesen werden kann. Auch in den Jahren 1421, 1513, 1525 und 1581 wird das Geschlecht der Hartzer urkundlich erwähnt.

Der ursprüngliche Besitzer des Harzergewandes dürfte sehr schlank gewesen sein. Hermann Bertsch erzählt, daß die früheren Träger des alten Harzers normalerweise schon Wochen vor der Fasnet fasten mußten, bevor sie in das historische Gewand hineinschlüpfen konnten. So ist wenigstens für einige Schömberger Narren die Fastenzeit schon weit vor der Fasnet angebrochen.

Ob der alte Schömberger Harzer wohl aus diesem Grunde so verkniffen lächelt? (Zollern-Alb-Kurier, 29.1.1999)

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